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Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung und -bindung durch Digitalisierung in der Pflege

So motivieren Sie gute Pflegekräfte und stärken Ihre Attraktivität als Arbeitgeber

Ein hoher Krankenstand und personeller Wechsel verdichten die Stressbelastungen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen. Was den Beschäftigten von Patienten, Behörden bzw. durch strukturell Bedingungen abverlangt wird, ist enorm.

Die Bedeutung einer umfassenden Dokumentation aller Abläufe ist Mitarbeitenden sehr bewusst, gleichzeitig bindet sie zeitliche und personelle Ressourcen, die nach einem fürsorglichen Pflegeverständnis den Patienten bzw. Bewohnern zu Gute kommen sollten. Der permanente Zeitdruck und die hohe physische und psychische Beanspruchung im Pflegealltag bringen Pflegende an ihre Belastungsgrenzen.

Als psychologische Unternehmensberaterin begleite ich mit Leidenschaft ambulante Pflegedienste und stationäre Seniorenheime dabei, sich mit den Chancen durch digitalisierte Prozesse auseinander zu setzen.

In zahlreichen Betrieben findet die Erstellung von Dienst- und Urlaubsplänen oder Abrechnungen noch auf manuellem Wege statt, gleichzeitig wird die Aufgabe unterbrochen von Anrufen, Emails oder Informationen zwischen Tür und Angel. Das erhöht nicht nur den zeitlichen Aufwand, sondern auch die Fehlerquote.

Welchen Wert die Überprüfung und Weiterentwicklung bestehender Prozesse und Strukturen für die Mitarbeitergewinnung und -bindung haben, möchte ich an folgenden Beispielen erläutern:

Um Veränderungen in einem Unternehmen erfolgreich umzusetzen, ist die Mitwirkung und Mitgestaltung aller Beschäftigten vorteilhaft. Experten sind in diesem Kontext die Teammitglieder, die seit Jahren zusammenarbeiten und demzufolge genau definieren können, welche Umstände ein reibungsloses Arbeiten blockieren.

Nach meinen Erfahrungen sind GeschäftsführerInnen immer wieder beeindruckt, wie engagiert und motiviert Pflegekräfte in Kickoff Veranstaltungen mitdiskutieren und konstruktive Vorschläge erarbeiten, z. B.

  • -      Funktionierende Systeme und der Einsatz moderner Technologien,
  • -      Qualifizierung und Weiterentwicklung, z. B. flexible E-Learning-Lösungen,
  • -      Befähigung aller Beschäftigten zur Anwendung digitaler Medien im Alltag,
  • -      Tablets für die digitale Essensplanung und elektronische Übermittlung an die Küche,
  • -      Ein digitales System für die Medikamentenverwaltung, das frühzeitig die Bestände auffüllt,
  • -      App basierte Arbeitszeiterfassung und Urlaubsplanung,
  • -      Headsets statt Telefone, die beim Pflegen hinderlich sind,
  • -      Einsatz von Tablets in der Alltagsbegleitung, z. B. zur Beschäftigung oder Unterhaltung (Rätsel, Vorlesen, Spiele etc.)
  • -      Das digitale Patientenzimmer: Tablets in allen Räumen, damit sich z. B. Bewohner jederzeit mit Angehörigen verbinden können oder sensible Patientendaten bei einer notwenigen Krankenhauseinweisung schnellstmöglich weitergeleitet werden können,
  • -      Telemedizinische Versorgung, um schnelle Entscheidungen herbeizuführen
  • -      Dokumentation über Tablets von überall statt auf einem zentralen Rechner,
  • -      Apps zur internen Kommunikation, um alle in Entscheidungen einzubinden und zu informieren
  • -      Social Media Plattformen für die Kommunikation mit Interessierten, Angehörigen und Mitarbeitenden  
  • -      Imagevideos, die das Unternehmen und dessen Arbeitsbedingungen präsentieren

 

Um die Digitalisierung im Unternehmen erfolgreich zu etablieren, ist eine zeitliche und organisatorische Struktur unabdingbar. Jede Veränderung braucht Zeit für Akzeptanz und Verinnerlichung. In diesem Prozess sind Erfahrungsaustausch und kritische Analyse ein wichtiger Bestandteil der damit einhergehenden Neuausrichtung sozialer Beziehungen und einer zukunftsorientierten Strategie mit und für alle Beschäftigten.

Die Praxis bestätigt, dass Lern- und Experimentierräume eine bewährte Methode für die Entwicklung und Umsetzung von Impulsen bzw. die Reflexion des eigenen Handelns darstellen.

Zusammenfassend nehmen ausnahmslos alle Teams die positive Veränderung der Kommunikation und die deutliche Entlastung im Arbeitsalltag wahr. Geschäftsleitung und Führungskräfte bestätigen einen Rückgang an krankheitsbedingten Ausfällen und eine verbesserte Mitarbeitergewinnung. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von personellen Kompetenzen und digitalen Prozessen führt auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu einer Veränderung: die Attraktivität des Unternehmens für Mitarbeiter und Bewerber steigt.

Das Förderprogramm UnternehmensWert:menschPlus setzt hier an und unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bis 250 Beschäftigte dabei, Arbeitsorganisation, Personalpolitik und den Arbeitsplatz der Zukunft unter digitalen Aspekten neu zu bewerten und individuelle Lösungen mit den Beschäftigten zu entwickeln. Die Förderquote liegt bei 80 % und kann in einem niedrigschwelligen Angebot beantragt werden.

 

 

 

 

 

Autorin: Elke Kirchner